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Theater Ecce Homo

ECCE HOMO von Friedrich Nietzsche in einer Inszenierung von Franziska Koger.

Mit Jakub Kavin

Musik von Markus Baumgartner und Andreas Zemann


Nietzsches autobiografisches Spätwerk in theatralischer Umsetzung von URBAN CUBE ist an 3 Abenden im Ragnarhof, Grundsteingasse 12, 1160 Wien zu sehen.

Donnerstag - Samstag 17. - 19. September

Beginn 21 Uhr

Dauer ca 50 Minuten

Im Anschluß Liveact und DJ-Line mit:


Live:

18.09. Oh`Liver+Stizz+Zopf

19.09. James Lässig

Dj's:

Minatrix

die Risa

InDJury

Max Mustermann

alter Uhu

Tamboo

Clash


Vj's:

Werk VJ-Kollektiv


Eine Kooperation von das Werk und URBAN CUBE

Text zu Werk und Inszenierung von Lina Bibaric


Im Zentrum von Ecce Homo stehen dabei einerseits die Kritik an Moral anderseits die eigene menschlich-allzumenschliche Unverstandenheit, Zerissenheit, Ungeliebtheit, Einsamkeit, entsprungen aus einem unzeitgemäßen Geist, der viel zu jung für eine viel zu alte Welt war. Und immer noch ist.


Diese autobiographischen, zeitlos ontologischen Verzweiflungsrufe sind es, die in Franziska Kogers szenischer Inszenierung des ECCE HOMO im Vordergrund stehen. Der Schauspieler Jakub Kavín wird dabei in ein intermediales Umfeld aus Raum, Rezitation und Musik hineininterpoliert. Die ZuschauerIn wird geworfen in eine Situation, die sie mit dem Leiden des jungen Nietzsche unmittelbar und körperlich teilt.


Man sitzt entlang der vier Wände des Raumes um eine Mitte herum, in welcher Nietzsche seine sprachgewaltigen Langzeiterkenntnisse schreit, fleht, flüstert, spuckt, stöhnt, hechelt, atmet – sitzend oder schreitend, liegend oder schwimmend - getrieben von Rastlosigkeit und der erfolglosen Suche nach Aufrichtigkeit, Anerkennung und Authentizität unter Menschen.


Markus Baumgartner und Andreas Zemann untermalen diese eindringlichen Szenarien mittels Synthesizern, E-Gitarren, Effektgeräten, Trommeln und anderem schlagfähigen Material live in einem experimentellen, stimulierenden Soundmosaik. Als ZuschauerIn wird man zum Adressaten der subjetiv- und doch objektiven Anklage Nietzsches, was nicht ohne Folgen für die eigene Reflexionsfähigkeit bleibt. Und auch nicht bleiben soll.


Nicht nur die Kapiteltitel strotzen nur so vor fehlinterpretationsgefährdeter, da nach Überheblichkeit anmutender Rhetorik: „Warum ich so weise bin“, liest die entsetzte LeserIn da, und wird, kaum erholt vom Schock der Anmaßung, gleich mit der nächsten Semantikkeule titels „Warum ich so klug bin“ überrumpelt, bis er/sie spätestens beim Kapitel „Warum ich so gute Bücher schreibe“ gewillt ist, das Buch echauffiert aus der Hand zu legen. Was ein Fehler wäre, denn dieses Buch ist eine scharfzüngige bis messerscharfe Attacke auf den schlechten Geschmack, auf kleinbürgerliche Ignoranz, gutgläubigen Gottesdevotismus, kleingeistige Deutschtümelei, spießbürgerliches Pseudokunstverständnis.


Nietzsche, Urheber berühmter wie tausendfach fehlinterpretierter Sätze wie „Gott ist Tot“, „ich glaube, weil ich vernunftlos bin“ oder „wenn du eine Frau besuchst, vergiss die Peitsche nicht“, schied nicht aus dieser Welt, ohne auf seine ganz ihm eigene Art und Weise eben mit dieser abzurechnen. Eine Abrechnung in Buchform, eine Abrechnung in messerscharfer Prosa, die zwischen 1888 und seinem geistigen Zusammenbruch von 1889 entstand: ECCE HOMO – WIE MAN WIRD, WAS MAN IST – ein Titel, der schon in der Überschrift zwei Anspielungen enthält. So soll, will man der Bibel Glauben schenken, Pontius Pilatus „Ecce Homo“ (Sehet, ein Mensch!) über Jesus Christus gesagt haben, während der zweite Teil des Titels auf den griechischen Dichter Pindar zurückgeht, der in den Phytischen Oden „werde, der du bist“ an Denkwillige appellierte.