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„HELP YOURSELF, MARRY ME!"
3. Interkulturelle Hochzeit

Soziotheatrales Hochzeitsritual mit türkischen MigrantInnen der 2. & 3. Generation im 16. Bezirk
Kuratorinnen: Emel Heinreich (A/TR), Asli Kislal (TR/daskunst)
Regie: Emel Heinreich
Performance & türkische Live Musik: migrantische Jugendliche des VZA, SchauspielerInnen der Fleischerei, Gäste
Zeit: 16. März 2007, ab 19 Uhr
Ort: Ragnarhof, Grundsteingasse 12, 1160 Wien

„HELP YOURSELF, MARRY ME!“
Arbeitsformat 2: FLEISCHEREI_mobil
Soziotheatrales Hochzeitsritual mit türkischen MigrantInnen im 16. Bezirk
Das Projekt

Die österreichisch-türkische Künstlerin Emel Heinreich inszeniert eine „theatrale Hochzeit” mit türkischen Jugendlichen der 2. und 3.Generation zum Thema „Zwangsheirat“. Ko-produzenten sind Asli Kislal und ihr interkulturelles Theater daskunst, das Jugendzentrum VZA mit Unterstützung türkischer Geschäftstreibender im 16. Bezirk. Die feministisch-interkulturell orientierte Theaterarbeit von Emel Heinreich und Asli Kislal eröffnet den Jugendlichen eine kritische Plattform, um alltäglichen Identitätskonflikten - Gefühlen von Angst, Einsamkeit und kulturelle Ortlosigkeit, aber auch der Bestätigung von Lebenslust und neuen Perspektiven - theatralen Ausdruck zu geben.
Auf Basis von Improvisationen, realen Biografien und erzählter Geschichten entstehen theatrale Strukturen und Skizzen, die typische Konflikte von MigrantInnen verschiedener Herkünfte und kultureller Traditionen thematisieren und Einblick geben in schwierige Lebenssituationen. Aktuelle Diskurse über „Migration&Integration“ werden im Performance-Erlebnis sinnlich neu erfahrbar. Unter die geladenen „Hochzeitsgäste“ mischen sich SchauspielerInnen und das Stammpublikum. Die „Hochzeitsspende“ gilt als Eintritt.
„Viele Jugendliche der zweiten oder dritten Generation waren noch nie im Theater. Wenn man sich jetzt nicht darum kümmert, diese Bevölkerungsschicht ein adäquates Angebot zu unterbreiten, kann es sein, dass im Kulturland Österreich ein Teil dieser jungen Menschen keinen Zugang zu dieser Kunst finden wird.“ – Asli Kislal, daskunst mani-fest, (www.daskunst.at)

„HELP YOURSELF, MARRY ME!“ ist Teil des Jahreszyklus „CREATING ALTERNATIVES“ [2007-2009] – eine Reihe soziotheatraler Experimente zum Thema „Migration/Integration/Partizipation“, der die Voraussetzungen aktueller Völkerwanderungen in Europa erforscht, ihre Folgen in Frage
stellt und kreative Alternativen zu formulieren sucht.

Die Geschichte der türkischen Hochzeit in Kurzform…
Das „Hochzeitsritual“ behandelt die Geschichte der jungen Österreicherin türkischer Herkunft … Zeynep, die mit 18 Jahren an eine Cousin in Anatolien verheiratet werden soll ... Zeynep ist ein zerrissenes Mädchen … Ihr Deutsch ist weit besser als ihre türkische Muttersprache … Zeyneps zukünftiger
Ehemann Murat ist 22 Jahre alt … sie hat ihn ein paar Mal aus der Ferne gesehen hat; er hat ein Foto von ihr zugeschickt bekommen … Murat hat nach Abbruch seiner Schulausbildung im Männer-Kaffeehaus seines Vaters zu arbeiten begonnen … Seine Zukunft sieht er in Europa: Was er in der Türkei
nicht geschafft hat, wird er nun in Europa schaffen! Nicht umsonst ist seine zukünftige Ehefrau schließlich Österreicherin …

Der Ablauf der Performance
Zwei kleine Gruppen, von je 10 Mädchen und Buben (Frauen und Männer) führen die Gäste (Haremlik selamlik) getrennt in den Saal… Alle Gespräche und Gesänge werden zweisprachig (auf Deutsch und Türkisch) geführt … Die Erzählergruppen von Männer und Frauen stellen für die Geschichte wichtige
Familienmitglieder vor; sie bleiben getrennt … Im Dunkel des Raums sind verstreut Sessel aufgestellt, diese Zone bedeutet für die Akteurinnen „den geschützten Platz“, an dem jede/r sich aufhalten und völlig frei aus der eigenen Geschichte/Gefühlswelt erzählen können - ein theatraler Ort der
Selbstverständigung … Ein Kerzentanz, der von einem bekannten türkischen Volkstanz inspiriert ist, verbreit Partystimmung … Die Braut beginnt zu erzählen wie es ihr geht, wie sehr sie als kleines Mädchen von diesem großen Tag geträumt hat … Sie artikuliert ihre Ängste, ihre Trauer, ihre Neugier.
Junge Männer bereiten den Bräutigam, der kein Wort Deutsch spricht, vor für das große Fest. Er erzählt seine Geschichte auf Türkisch - er ist endlich in Europa gelandet – nun werden seine Träume in Erfüllung gehen…
Das sog. „Henna-Ritual“, das den Abschied der Braut von der Jungfräulichkeit und dem Elternhaus symbolisiert, wird gefeiert … Ein plötzlicher Stimmungsund
Lichtwechsel beginnt eine Serie von realen Erzählungen verschiedener Frauen über die eigenen Erfahrungen mit der „Zwangsheirat“, den Hoffnungen und Ängsten, die damit verbunden sind … aus der Perspektive von älteren und jüngeren, von in der Türkei und in Österreich lebender Frauen … Das Saallicht geht an und Hochzeitsgeschenke werden überreicht …Das größte Geschenkpaket kommt von engen Freunden … Das Riesenpaket zieht die ganze Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Witze über das „Geheimnis“ werden gemacht, was wohl in dem Paket stecken mag ...
Plötzlich verschwindet die Braut in dem riesigen Paket - und keiner merkt es.Braut und Bräutigam werden zum Hochzeitstanz aufrufen … Plötzlich bricht Panik aus: die Braut ist weg, auf ihrem Sessel sitzt nur eine Puppe…Das Ende ist eine Überraschung!

FLEISCHEREI_mobil:
eine kulturelle Neubelebung der Bezirke

Der ungewöhnliche Theater- und Kunstraum FLEISCHEREI hat sich in wenigen Jahren zu einem Stadtteilzentrum entwickelt, das über eine breite Vernetzung mit Kulturinitiativen, VertreterInnen sozialer Bewegungen und Aktionsplattformen der benachbarten Bezirke – auch jenseits der „gläsernen Grenze“ des Gürtels – verfügt. Neuartige soziotheatrale Arbeitsformate schaffen mit eigenwilligen künstlerischen Interventionen in Kooperation mit AktivistInnen und Grätzl-BewohnerInnen einen lebendigen Austausch, den konventionelles Theater niemals leisten könnte! Der Lern- und Handlungsort FLEISCHEREI bietet Informationen über sozial-politische wie kulturelle Entwicklungen und lädt ein zur aktiven Partizipation.

Die KuratorInnen des Projekts „HELP YOURSELF, MARRY ME!“, 3 theatralisierte interkulturelle Hochzeiten im 7., 8. & 16. Bezirk –Emel Heinreich (A/TR), Charles Ofoedu (Nigeria) & Sun Sun YAP (SGP) - bringen drei MigrantInnengruppen ins Visier: TürkInnen der 2. und 3. Generation, AfrikanerInnen und (Ost)AsiatInnen. Diese nterkulturellen Segmente stehen stellvertretend für jene MigrantInnen die heute in Wien
leben und an demografischer und kulturpolitischer Signifikanz gewinnen.

Kontakt:
FLEISCHEREI, Kirchengassee 44, 1070 Wien, 01/ 524 07 38,
(Eva Brenner, Leitung, Serena Laker, Assistenz)
office@exprimentaltheater.com
www.experimentaltheater.com