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Der Zerrissene Vorhang flyer fotos
" Die Ateliers im Ragnarhof "

Gruppenausstellung

Vernissage:

Freitag, 27. 04. 2007, 19.00

20.00 Theater im Kleinen "Von Ganz Hinten", Donald Padel
22.00 Ensemble tonWerk
Dj adish -Club Vagabund, balcan disco
Mr. Ardalani kocht  
Öffnungszeiten: Do - So: 17.00 - 20.00  
 
Freitag, 04.05.2007, 20.00
21.00 Sergey Pepper (www.wergejpepper.com)
22.00 SELTSAM supreme (www.seltsamsupremecom)

DJs Kraul und Grolliver

 

 








 

 

 

Beteiligte KünstlerInnen: Alina Kunitsyna , Donald Padel, Dietmar Franz, Heidrun Widmoser,Thomas Heimel, Hermann Staudinger, Ingo Seefeld, Irene Kainz, Julia Hiemer, Jury Everhartz, Kristine Tornquist, Linn Bormann, Judith Lava, Martina Luef, Markus Orsini-Rosenberg

Mit der Ausstellung "Der zerrissene Vorhang" zeigen 15 Künstler des Ragnarhofs vom 27.04. bis zum 06.05.2007 ihre jüngsten Arbeiten. Der Eröffnungsabend wird mit einer fulminanten Performance von Donald Padel um 20.00 Uhr eingeleitet. Für anschließende musikalische Umrahmung sorgt das Ensemble tonWerk unter der Leitung von Gernot Schedlberger. Des weiteren Balkansounds von DJ Adish (Club Vagabund). Hossein Ardalani sorgt für kulinarische Künstlichkeiten.

Die erste Ausstellung der Ateliers im Ragnarhof, ist der Öffnung des Ostblocks gewidmet. Nach einem Filmtitel eines Agententhrillers von Alfred Hitchcock "Der zerissene Vorhang" - torn curtain" aus dem Jahre 1966 benannt, in dem es um Flucht und Grenzüberschreitung zwischen Ost und West und um den Kalten Krieg geht, als auch um eine glückliche Liebesgeschichte...
"Der zerissene Vorhang" ist ein mögliches Sinnbild einer unnötigen Strategie des Verschleierns und Wartens. Er eröffnet eine lange Chronologie des Warnens und Prophezeiens eines sukzessiven Zusammenbruchs der idealen utopischen Vorstellungsbilder unserer vergehenden "europäischen Leitkultur und Wertegesellschaft".

Wien, Anfang des 3. Jahrtausends, bietet einen Blick dessen, was derzeit international die Kunstwelt beschäftigt: "Der zerissene "eiserne" Vorhang". Die Wiener Kunstszene schwimmt zwischen internationale Strömungen, und kann diesen eine individuelle aber auch zeitlos - klassische Bedeutung verleihen.
Der Ragnarhof ist für seine Ansammlung von Individualisten bekannt, die teils aus den ehemaligen Ostblockstaaten stammen, hier schon seit einiger Zeit Zuflucht gefunden haben; hier in den Ateliers in fast schamanistischer Weise legendäre Feste, Videos, Orgien, Skulpturen, Bilder und einen Lebensraum: Salon, Wohnzimmer, Garten, Feuerplatz, Baustelle usw... sich geschaffen haben, welcher einen zweiten suchen lässt...
Die Tageslichtgalerie im Ragnarhof bietet beste Bedingungen, um Malerei und Skulptur zu präsentieren, und stellt einen "infrastrukturellen Akzent" im Wiener Kunstleben dar, der regelmäßig genützt werden sollte. Der Veranstaltungsraum und Hof zu ebener Erde wiederum, eignet sich sehr gut für Arbeiten mit Musik, Licht, Video, als Lounge, Party- und Konzerthalle und bietet die beste Ergänzung.

Aus verschiedensten Gründen erscheint uns daher das Setting dieses Ortes für eine derartige Ausstellung am angemessensten: historischer Platz kritischer Denker, Brennpunkt erotischen Abenteurer und Genießer: Ort und Konzept bieten ein Maximum an Freiheit.

Der Magnetismus dramatischer Spannung eines Bildes, allegorische Struktur der Skulptur, ...
und wir hoffen jene Basis der Diskussion mit dieser Ausstellung zu schaffen, die entlang der ehemaligen Grenzen des Ostblocks dort Gras zu sähen wird, wo noch heute Betonblöcke "dahin - modern".

Zu den Beiträgen:

Malerei:
Hermann Staudinger, Heidrun Widmoser, Alina Kunitsyna, Markus Orsini - Rosenberg, Kristine Tornquist
Objekte:
Martina Luef, Julia Hiemer, Ingo Seefeld, Thomas Heimel, Donald Padel, Irene Kainz, Linn Bormann, Dietmar Franz
Performance:
Die Jungfrau und der Krieger. Ein Sittenbild. von Donald Padel und Irene Kainz
Theater im Kleinen "Von Ganz Hinten" von Donald Padel
Video:
Judith Lava
Musik:
Jury Everhartz

mehr Informationen zur Ausstellung:

Die Ateliers im Ragnarhof werden von Künstlern aus "Bösen und Guten Staaten" in liebevoller Eintracht bespielt, wobei jedoch diese Tatsache der Herkunft von der Tatsache der Bündnisse überdeckt wird, und für das Werden der Arbeiten entscheidend ist.
Alina Kunitsyna aus Minsk, Belarus, beinahe eine Flucht; Ingo Seefeld, Donald Padel aus Eisenhüttenstadt, DDR geflüchtet, Linn Bormann aus Dresden, legale Ausreise.
So irreal der Film "der Zerissene Vorhang" sich ansieht, so real war und ist auch heute noch die untragbare Situation an den Grenzen zwischen "Guten und Bösen Staaten".
"Das heißt, dass alles, was davor dazu diente, sich ein Bild zu machen, der gesamte öffentliche Blick der Vergangenheit, im Moment ausgehöhlt, entleert wird. Und einen neuen öffentlichen Blick hat man noch nicht geschaffen. Der Blick ist zerbrochen wie ein Glas. Man ist sich dessen, was man sieht nicht mehr sicher." (Paul Virilio im Gespäch mit Hans - Ulrich Obrist, 8.6.1991, Seite: 9, in "Der Zerbrochene Spiegel", Ausstellungskatalog, 1993, Museumsquartier, Kunsthalle Wien)
"Zu einem Zeitpunkt, wo allseitig ein kulturpolitisches Roll - back droht, erscheint eine kritische Bestandsaufnahme der Möglichkeiten von Malerei notwendig."(ebenda Seite: 11)

Das Interesse an Objekten, Zeichen, Logos, Bildern etc., um beredte Artefakte unserer Zivilisation auszugraben, wird von den Mangelerscheinungen derselben getrübt, was deren Wert und Gültigkeit betrifft: so beobachtet man, angesichts des größer werdenden Elends, ausgelöst von allgegenwärtigen Resourcenkriegen, jede Wohlfahrts- und Sozialutopie als scheinheilige Augenauswischerei. Der Vorhang ist endgültig gefallen und künstlerisch fühlende Menschen suchen Schutz auf verschiedensten kreativen Inseln in einem von wilden klimatischen Bedingungen umgebenen globalen Ocean der Unsicherheiten und Katastrophen.
Es ist einfach, abgedroschene apokalyptische Visionen mit Absolutheitsanspruch zum Besten zu geben, und einfach ist es Cocooning zu betreiben; wir machen wohl beides, und schließen uns hiermit an die Wiener Kunsttradition von Otium an, hier im kleinen Mikrokosmos der Ateliers im Ragnarhof.
Malerei zum Beispiel, als langsames und schichtenweises Medium, bietet mehr Halt als jene schnellen neuen Medien, die in unserer kulturellen Hemisphäre ihr Hoheitsgebiet sehen und von uns nur durch Heimarbeit erforscht und eventuell entschärft werden können.

Markus Orsini-Rosenberg