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Beschreibung des Ragnarhofs

 

Räumliche Strukturen und deren Verwendung

Der Ragnarhof liegt in der Grundsteingasse 12 im 16. Wiener Gemeindebezirk, zwischen dem Lerchenfeldergürtel und dem Brunnenmarkt in der Brunnengasse, parallel zur Thaliastraße und Neulerchenfelderstraße. Zum Ragnarhof gehört ein straßenseitiges Biedermeiergebäude, erbaut in den 50er Jahren des 19. Jahrhunderts und das im Hof befindliche Gründerzeitbauwerk aus dem Jahr 1907.

Seit Anfang des Jahres 2008 hängt ein beleuchtetes Schild mit dem Logo des Ragnarhofs - einer Melone - an der Fassade des Ragnarhofs. Dieses Logo wurde unter anderem gewählt, weil das Markenzeichen von Dr. Ragnar Mathéy, dem Voreigentümer des Gebäudes, eine Melone war und diese dadurch am Hof zur Tradition wurde. Der Ragnarhof hatte jahrelang keine von außen erkenntliche Bezeichnung des Orts, konnte sich aber über BesucherInnen-mangel nicht beklagen. Natürlich ist es einerseits von Vorteil, wenn BesucherInnen direkt ins Geschehen geleitet beziehungsweise verwiesen werden, aber andererseits werden die Grenzen bei der Begehung eines Ortes erweitert, wenn kein Leitsystem vorhanden ist. Man muss sich dafür interessieren, den Weg zu finden. So wird den BesucherInnen eine gewisse Mündigkeit zugesprochen selbst den Raum zu entdecken. Die Räume sollen für Ideen zur Umgestaltung weitgehend offen bleiben und können, in Absprache, nach Bedarf verwandelt und verändert werden.
Man gelangt also durch eine Hofeinfahrt in den mit Ahorn, Feigen und wildem Wein bewachsenen grünen Innenhof, in dem das genutzte Fabrikgebäude liegt. Durch zwei Eingänge gelangt man in das Gebäude. Im Erdgeschoss wurde ein Veranstaltungsraum mit Bar und Bühne geschaffen, im ersten Stock ein heller Galerieraum, und im zweiten Stock befinden sich Ateliers. Der Ausstellungs-raum bietet durch seine Größe und Helligkeit gute Bedingungen, um Malerei oder Skulptur zu präsentieren. Der Veranstaltungsraum und Hof zu ebener Erde wiederum eignet sich durch die abgedunkelten Fenster und schallisolierten Wände sehr gut für Arbeiten mit Musik, Licht, Video, als Lounge, Party- und Konzerthalle und bietet die beste Ergänzung. Im hinteren Teil des Grundstückes gibt es noch einen Anbau zum Fabrikgebäude, worin sich zwei Ateliers und eine Küche befinden.

Als "Biotop für Künstler in Ottakring" wurde der Ausstellungs- und Veranstaltungsraum von Standard-Redakteurin Karin Krichmayr bezeichnet. Das Gebäude hat eine Gesamtnutzfläche von 1.000 m². Der Hof beherbergt derzeit 10 Ateliers, einen Projekt- und Ausstellungsraum sowie einen Veranstaltungsraum im Fabriktrakt. Das Fabrikgebäude bietet auf 400 m² Platz für Ausstellungen und Veranstaltungen. Die Atelierflächen erstrecken sich über weitere ca. 400 m². Im Vorderhaus befinden sich 2 Wohnungen, 2 Ateliers sowie ein Fischhandel im Erdgeschoss. Der größte Teil der Fläche wird also als Präsentations- und Produktionsort verwendet, ein wesentlich geringerer Anteil fällt auf Wohneinheiten und Geschäftsflächen.
Das ehemalige Industriegelände wurde zu einer Kunstplattform für bildende und darstellende Kunst adaptiert und versucht sich seither als Dienstleister für künstlerische, kulturelle, soziale und politische Anliegen und schafft kulturelle Arbeit mit nachhaltiger Wirkung. Derzeit arbeiten 18 KünstlerInnen permanent am Hof, unregelmäßig kommen immer wieder GastkünstlerInnen dazu, die kurzfristig vor Ort arbeiten.

Inhaltliche Strukturen und deren künstlerische Umsetzung

Der Ragnarhof lässt sich, wie die meisten Kunsträume, nicht in ein Genre pressen, sondern definiert sich durch sein soziales und kulturelles Umfeld, seine Entstehungsgeschichte und Struktur sowie Formate und Programmierung.
Seit über 15 Jahren schafft der Ragnarhof Freiraum für KünstlerInnen und Kunstinteressierte im sich rasch wandelnden Brunnenviertel von Ottakring. Das bestehende Netzwerk an Kunstschaffenden wächst kontinuierlich an einem Ort des permanenten "Kunstausnahmezustandes". In einem interaktiven Prozess wird Raum für Gestaltung und Integration geschaffen - ein Ort, an dem Kunst entsteht, produziert, präsentiert, rezipiert und zelebriert wird; eine Verbindung aus Präsentations- und Veranstaltungsort innerhalb einer Umgebung, die stetig in Bewegung ist und zum dableiben einlädt. Der Ragnarhof bildet einen Kunstrahmen, der Leute aus den unterschiedlichsten Richtungen und Traditionen involviert, abseits eines konsumorientierten oder von Fördermitteln großteils abhängigen Kunstmarktes. Ziel war und ist es, mit dem Projekt einen autonomen Kunstraum zu installieren, welcher vielen Facetten der Kunst einen Produktions- und Präsentationsrahmen bieten soll.
Der Künstler Markus Orsini-Rosenberg, der selbst seit den frühen 1990er Jahren Arbeitsräume im Ragnarhof bezogen hat, beschreibt die Ateliersituation folgendermaßen:
"Der Ragnarhof ist für seine Ansammlung von Individualisten bekannt, die hier schon seit einiger Zeit Zuflucht gefunden haben, hier in den Ateliers in fast schamanistischer Weise legendäre Feste, Videos, Orgien, Skulpturen, Bilder und einen Lebensraum: Salon, Wohnzimmer, Garten, Feuerplatz, Baustelle usw. sich geschaffen haben, welcher einen zweiten suchen lässt ..."
Er umschreibt den Ragnarhof mit folgenden Schlagworten: "historischer Platz kritischer Denker, Brennpunkt erotischer Abenteurer und Genießer, Ort und Konzept bieten ein Maximum an Freiheit."
Der Ragnarhof ist nicht nur ein Platz, an dem Kunst ihren Einzug findet, sondern an dem auch das Leben zelebriert wird. Dies spricht eine Problematik von Offspace sowie natürlich auch generell Kunsträumen an, die Trennung, aber auch Verbindung von Kunst und Party. Ein Nachteil ist, dass sich das Partypublikum nur am Rande für die Kunst interessiert und ein mögliches Kunstpublikum in die Party aufgesogen zu werden droht. Ein Vorteil ist, dass auch andere Zielgruppen in den "Genuss" eines unerwarteten Ausstellungsbesuchs oder einer künstlerischen Intervention, etwa in Form einer Performance, kommen. Im Ragnarhof kommt es zu Überschneidungen zwischen Kunst im Ausstellungsraum des ersten Stocks und Party im Veranstaltungsraum des Erdgeschosses. Es gibt einen fließenden Übergang - der eine Bereich bedient sich des anderen und umgekehrt, jedoch wird stets darauf geachtet, dass die eigentlichen Ziele der Kunst gewidmet sind, die Party soll nur eine unterstützende Funktion übernehmen.
Der Ragnarhof ist aus der Notwendigkeit heraus entstanden, dass KünstlerInnen Platz zur Verwirklichung ihrer Projekte brauchten. Ein Projekt mit strategischem Konzept versucht nun Wege zu finden, finanzielle Ressourcen anzuzapfen um zu überleben, eine völlige Etablierung innerhalb des Kunstbetriebs jedoch zu vermeiden, um nicht zu stagnieren oder Gefahr zu laufen, ein eingefahrenes Auslaufmodell zu werden.